Freitag, 19. November 2010

Die Besten

Die Welt der Arschkriecher,
Der Schleimer und Besserwisser
Die Welt der künstlichen Brüste,
Der gemalten Gesichter
Die Welt des Scheins
In der niemand leidet
Die Welt des Scheins
In der so viele leiden
Die Welt der Prostitution,
Der Drogen und der Gewalt
Die Welt des Konsums
Mit all den Folgen
Für die Menschen selbst
Für die Umwelt erst recht
Die bekackte kapitalistische Welt
Die mehr schlaue, beneidenswerte,
Kreative, schöne, faszinierende,
Einzigartige, bunte und schräge Menschen hervorbringt
Als jede bisher da gewesene
Aber noch mehr hirnverbrannte Idioten,
Die zwischen Realität und Werbung nicht unterscheiden
Und so die Welt
Durch ihren Smog,
Ihre Aggressivität und Gier
Durch den viel zu hohen Output
Zerstören

Dienstag, 16. November 2010

Ausschnitt Jack Casablancas' Blues

Es folgt ein kurzer Ausschnitt aus meinem neuen Roman Jack Casablancas' Blues.


Nur wenige Stunden später wurde ich geweckt. Julia rannte zu den Fenstern und riss sie auf, dabei schimpfte sie mit einer Stimme, die so trocken war, dass ich sie nicht hören mochte.

»Bah, stinkt das hier nach Alkohol! Ja, so geht es los, erst keinen Job, dann kommt der Alkohol! Und wie soll das dann besser werden? Soll ich etwa meine Familie ernähren, während der Herr im Haus besoffen auf dem Sofa schläft, nachdem er die Nacht mit irgendwelchen Huren durchgesoffen hat? Das muss ich mir aber sehr gut überlegen!«

Ich versuchte sie aus meinen verklebten Augen heraus zu erkennen... sie sah sehr verstört aus, ihre Haare waren zerzaust und auf ihrer weißen Haut schien sie viele rote Punkte zu haben. Sie arbeitete wirklich zu viel.

Ich sagte kein Wort und legte mich wieder hin, doch einschlafen konnte ich erst, nachdem die Eingangstür zugeknallt worden war. Ich empfand die Gesamtsituation jetzt als unerträglich und wollte nicht daran denken. Es war ein schönes Gefühl im Land der Träume zu versinken... ich schlief weiter bis dreizehn Uhr.

Samstag, 13. November 2010

Die Mädchen von Montmartre


Die Mädchen von Montmartre

Sie hatten leuchtende Augen und rote Mäntel
Sie hatten ein Lächeln im Gesicht

Sie hatten keines in der Seele
So schön, so fröhlich es erschien
So bedeutungslos war es

Sie träumten von der weiten Welt
Wollten raus aus dem Elend in das sie sich jeden Tag selbst hineintrieben
Mit all den unglücklichen Beziehungen
Oder Affären
Oder dem Alkohol

Sie spielten mit den Männern,
Oder andersrum
Oder sie waren homosexuell
Oder sie tranken

Laura, Paulina, Fatma, Peaches, Halo, oder wie sie hießen
Französinnen französischer, algerischer, marokkanischer, chinesischer oder sonst einer Herkunft
Sie alle hatten einen sitzen
Und ich fuhr drauf ab

Sie sagten ich wäre eigenartig
Ja, sicher, sie hatten recht
Aber eines war auch klar,
Sie waren alle irre
Nur in ihrem kleinen, dreckigen, sexüberfüllten Montmartre war das halt so
Und ich fühle mich so normal wie seid langem nicht



Freitag, 12. November 2010

Motor FM

Ich muss schon sagen... dieses Radioprogramm kann einen fertig machen. Egal wo man in Deutschland unterwegs ist, wenn man auf gute, junge, alternative Musik und niveauvolle und dennoch humorvolle Ansagen sucht, dann ist man verloren. Wenn man in NRW, einem so großen Bundesland, das Radio anmacht, dann kann man schon traurig werden. Dann hört man 1Live, weil es der einzige Sender zu sein scheint, der nicht für Rentner geschaffen ist. Da bin ich schon irgendwie froh, dass ich hier jedes Mal nur für wenige Tage bin und dann schon wieder nach Berlin zurückfahre...

Gut, dass es das Internet gibt, dann sind die wenigen guten Sender überall auf der Welt mit dabei. Motor FM kann ich immer hören, denn es gibt fast nur gute Sendungen. Außer vielleicht am Abend, wenn dieses Mädel versucht Englisch zu sprechen... aber das passt schon. Ob Auslandsspionage oder Morningshow, es wartet gute, neue Musik und nette Moderation von Leuten wie Max Spalleck, Diane Hielscher oder dem Typen, der gerne ein schicket Auto hätte, Winson.


Dienstag, 9. November 2010

Das Verwelken

Sie blüht so schön
Dieser Geruch
Man muss stehenbleiben um zu schnuppern

Sie blüht so schön
Doch eins ist klar
So perfekt sie auch sein mag
Wird sie nicht ewig sein

Ohne Wasser

Man muss mit ihr reden
Denn sonst hilft auch Flüssigkeit nicht
Und sie verblüht, verwelkt, vergeht
Von einem Tag auf den anderen
Es ist nichts zu retten

Alle, die vorher staunend stehen blieben
Rufen jetzt nach der Entsorgung
Oder gehen achtlos vorbei

Die Menschheit ist recht grausam
Gegenüber einer Person, die mit ihrer Vergänglichkeit kämpft

Freitag, 5. November 2010

Lorenzo von Matterhorn

Es war kalt und nass diese Woche. Exemplarisch für das unangenehme Gefühl, das man diese Tage kriegen kann, war eine Fahrt mit der Straßenbahn nach der Arbeit. Ich wartete im Regen auf die richtige Nummer, die Anzeige an der Station war ausgefallen. Der Wind schoss den kalten Regen in die Gesichter der Wartenden - aber sie konnten kaum etwas dagegen tun, sie wollten nach Hause, ins Warme. Die Tram hatte arge Verspätung und als sie kam, war sie schon völlig überladen. Die Hälfte der Leute passte nicht mehr rein, also hieß es für mich und viele andere, dass wir weiter im Regen stehen mussten. Einige Minuten später, mittlerweile war bei mir alles durchnässt, kam die nächste Straßenbahn und ich konnte endlich einsteigen. Es war ein altes Modell, eines von denen, die keine Klimaanlage oder sonstige Errungenschaften der letzten 30 Jahre besitzen. Dementsprechend waren die Fenster zugedampft und die Luft war feucht. Ich quetschte mich zwischen die schlechtgelaunten Berliner. In dem prall gefüllten Wagen schrie ein Kind. Es schrie, schrie und schrie. Ist ja gut Kleiner, ist ja gut... es half nichts, es schrie, weil es mit der Gesamtsituation unzufrieden war. Die Gesichter der Leute um mich herum sagten entweder Ich würde am liebsten auch schreien! Es ist alles zum Kotzen!, oder Kann dieses verdammte Balg nicht einfach mal aufhören zu heulen?Es ist alles zum Kotzen! Ich war auch drauf und dran alles zu verteufeln, bis mir ein Zitat von Barney Stinson einfiel. So simpel es ist, so großartig kann es wirken.  

When you're sad... stop being sad and be awesome instead.

Ich habe zwei Beine und laufe mit einem Lächeln durch den Regen.


Und wem noch langweilig ist, der sollte "Lorenzo von Matterhorn" googlen.

Montag, 1. November 2010

Ein Gedicht zum Wochenanfang

Gerne jemand anders

Ich habe gläserne Scheiben vor mir
Sehe Menschen auf der anderen Seite
Wie sie fleißig tippen und nie hoch schauen
Wie sie die Rendite anheben
Ohne Rücksicht auf sich selbst

Sie sind an einem Ort, an dem man keine Zeit für Gedanken hat
Das quält sie ab und an,
Denn sie sind nie sie selbst
Oder es quält sie gar nicht
Weil sie Nichts sind

Ich bin an einem Ort an dem ich denken muss
Und es quält mich von Zeit zu Zeit
Denn manchmal wäre ich gerne jemand anders
Vielleicht einer dieser gefühllosen Zombies