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Sonntag, 20. Januar 2013

Leblon

Was soll ich schreiben, für wen?
Für mich?
Für dich?
Wozu soll ich,
Soll ich schreiben,
Ja,
Leben?
Gerade noch sah ich ihn
Nun aber nicht mehr
Es war so abrupt,
Von heiß auf kalt ohne Übergang
Sinn,
Sinn...
Du kannst mich nicht so im Stich lassen,
Nicht von einem Tag auf den anderen
Wo ist der Strand in Leblon hin?
Wo die Grazien, die Menschen, die Drinks?
Wo der Corcovado, das Immergrün, die 'sucos'?
So alleine...

Man kann nichts machen
Außer das Gesicht in den Himmel strecken,
Um die kalten Schneeflocken auf der Haut zu spüren

Dienstag, 30. Oktober 2012

Nachtfrequenzen

Heute Nacht
Wollte ich die Welt erobern,
Mit meinem Genie,
Dem Ehrgeiz eines Intelligenzquotienten von 2000 Punkten,
Wollte Bücher schreiben
Die dich bewegen,
Die Welt an die Hand nehmen
Und sie in die richtige Richtung lenken

Heute Nacht
Wusste ich plötzlich nicht mehr
Was Prokrastination bedeutet
Und was ich damit zu tun haben sollte
Ich habe keine Drogen genommen,
Nicht einmal ein Glas Wein
Mein Geist hat sich lediglich an der Ruhe der Nacht gesättigt
Die Abwesenheit der Menscheit genutzt,
Um selbst wach zu werden


Heute Nachmittag sitze ich in diesem Café
Mit all den Anderen,
Deren Pläne so groß,
Die von Taten träumen,
Während sie ihre Latte Macchiatos trinken
Einzig dieses Gedicht
Kommt aus meiner Feder
Für alles andere habe ich morgen noch Zeit
Oder,
Mit etwas Glück,
Wenn die Lichter wieder aus sind

Sonntag, 1. Januar 2012

Alle Jahre wieder

Kommt Silvester
Kommen sie aus den Löchern gekrochen
Die nie feiern
Die nie singen
Und ihre Böller in den Himmel schießen
Etwas Zeit gewinnen
Ohne nachdenken
Etwas Zeit verschwenden
Durch den eigenen Smog rennen
Um danach wieder in das System zu springen
Und zu vergessen
Und das gleiche zu sagen was die Vorgänger

Noch drei Monate der Kälte
Vielleicht kommt der Schnee
Vielleicht bleibt es warm
Frühling, Knospen blühen auf, Vögel zwitschern
Kurze Röcke, kurze Nächte,
Familiendrama und Holocaust,
Sommerferien, Sommerloch
Politik, Nahoststabilisierung
Geeintes Europa, Kriminalitätsstatistiken
Terror, Kriege, Wirtschaftswunder
Herbst, Blätter fallen, Vögel gehen
Silvesterplanung
Politiker gestützt
Politiker gestürzt
Schneechaos und die Bahn
Die Bahn!
Der Präsident schickt das Jahr in den Schlaf
Der Weihnachtsmann sorgt für Übergewicht
Die Kanzlerin schickt das Volk ins neue Jahr
Die Mama der Nation

Die Sonne scheint auf eine glatte Schneedecke
Ein Eiszapfen fällt vom Baum
Stille, nur das Knistern des Schnees, wenn man ihn betritt
Auch das ist immer das Gleiche
Nur, dass dies der Seele gut tut

Donnerstag, 28. Juli 2011

Der Killer aus Nanaimo

Nanaimo, Busstation
Nach einer Busfahrt aus Tofino,
Einem kleinen Surferort auf Vancouver Island
Der Hals ist trocken
Ein ehemaliger Club
Jetzt ein christlicher Treffpunkt
Eine Kirche
In der jeden Freitag Cookies, Kaffee und Wasser
Umsonst für alle Reisenden angeboten wird
"Könnte ich wohl kurz rein, mir ein Wasser holen?"
"Ja, selbstverständlich! Nehmen sie auch einen Muffin, sie sind kostenlos!"

Okay, danke
Vor der Tür unterhalte ich mich mit einem alten, alten Mann
Einem Christen,
So wie weiteren Frauen, die der Kirche angehören
Ich finde es sehr großartig, dass diese Leute die Reisenden umsonst verpflegen
Das Gesicht des Alten hat etwas...
Etwas Fatalistisches... in seiner Lebendigkeit
Es hat unglaublich viele Falten
Die Ringe unter den Augen sind nicht zählbar
Und beschreiben eine enorme Traurigkeit
Die braunen Augen zucken hin und her
Ich beiße in den Keks, während ich ihm zuhöre
"Deutschland, aha! Meine zweite Frau war aus Deutschland."
Ein Christ, durch und durch...
"Sie machen Mathematik, aha! Ich war Ingenieur
Deutschland hat die besten Ingenieure der Welt!
Mein Betreuer im Studium war Deutscher
Er war sehr streng,
Aber was soll ich sagen, hehe,
Ich habe wohl sehr viel von ihm gelernt,
Er war eine Ikone in seinem Gebiet."

Die Ladys unterhalten sich, sie sagen,
Die Kirche wäre mal ein Club gewesen,
Ein verruchter Ort
Darauf springt der Alte sofort an
"Ich war auch nicht immer ein guter Mensch,
ganz und gar nicht!
Es hat lange, lange gedauert, bis es soweit war
Ich war ein Killer, wisst ihr?
Als ich rauskam haben sie mir eine Klammer um den Fuß gemacht,
So dass ich nicht aus dem Haus konnte."

Ich schaue mir sein Gesicht noch einmal genauer an
So traurig,
So wirr, aber ein Killer?
Eigenartig, gewiss, aber ein Killer?
Ein KILLER?
Hatte ich mich verhört?
Ist mein Englisch doch zu schlecht?
"Jahrzehnte war ich im Gefängnis,
Und habe schließlich gelernt gut zu sein,
Aber es hat professionelle Hilfe gebraucht
Wochen und Monate mit Psychoanalysten
Es lag an meiner Jugend
Ich habe sie umgebracht,
Weil ich als Teenager sexuell missbraucht worden war
Ich bin endlich ein guter Mensch,
Aber ihr seht wie viel Arbeit das gekostet hat."


Im Bus hatte ich noch darüber nachgedacht,
Dass die Gespräche in Amerika meist oberflächlich ablaufen
Ein dünner Film, nanoskopische Dicke,
Darunter nichts
Stundenlanger Small-Talk

Jetzt habe ich es geführt,
Das Gespräch, das unter die Haut geht
Mit einem kanadischen Mörder

Donnerstag, 7. Juli 2011

Gaga

Ein paar Worte zum System

Ein System, das uns viel gebracht hat

Reichtum
Reisefreiheit
McDonalds
Essen ohne Ende
Häuser
Autos
Meinungsfreiheit
Madonna
Britney Spears
Lady Gaga
Kreativität

Doch die Logik ist nicht sehr beliebt
In dem System
Das auf den Spaß baut

Ich liebe den Spaß...

Aber man muss den klugen Gedanken achten
Sonst endet man wie die Nordamerikaner
Schwabbelig
Im Stau
Ohne Freunde
Und ohne Geld
Verkauft an die Chinesen

Es will schon jetzt niemand mehr rechnen
Was vielleicht besser ist
Wenn man sich Verschuldungen der westlichen Länder anschaut
Und weiß wie exponentielles Wachstum funktioniert

Jeder Finanzminister meiner Zeit
Zeigt Balkendiagramme
Auf denen steht wie in 4 Jahren
Die jährliche Neuverschuldung gen Null geht
Jeder Finanzminister meiner Zeit
War etwa doppelt so alt wie ich jetzt
Hat jeden Finanzminister meiner Zeit reden hören
Und hat seine Balken gesehen
Dennoch stellt er sich dahin
Und sagt voller Überzeugung wie es sein wird

Es fasziniert mich
Es distanziert mich von der Politik
Die so furchtbar gaga ist
Obwohl sie wichtiger ist als alles andere
Die so furchtbar gaga ist
Wie die Kreativität der Lady
Und die so ehrlich ist
Wie zu Guttenbergs Gewissen rein
Es distanziert mich von den Menschen
Die so furchtbar gaga sind
Und die Worte der Lügner als bare Münze nehmen
Als hätten sie kein Gedächtnis
Als würden die Regierenden ihre Diäten nicht grundlos um die Zahl erhöhen,
Die ein durchschnittlicher Student zum Leben hat

Ein System
In dem niemand Gescheites die wichtigsten Funktionen des Landes besetzten will
Weil er sein Leben im Lady Gaga Land verbringen müsste
Steht auf der Kippe

Donnerstag, 23. Juni 2011

Schubladen

Ost
West
Nord
Süd
Mitte
Links
Rechts
Rot
Schwarz
Gelb
Grün
Europa
Asien
Afrika

Schubladen
Schränke
Aufbewahrungskisten

Es hilft zu differenzieren
Es ist notwendig zur effizienten Kommunikation

Es fördert Vorurteile

Donnerstag, 9. Juni 2011

Kunst und Mathematik

Der Fixpunkt der Integralgleichung
Die Lösung des Problems
Der Differentialgleichung
Der Beschreibung des physikalischen Problems

Warum gähnst du?
Ist es dir nicht schön?
Aber heißt es nicht,
Mathematik, so schön
So schön!
Wie die Strukturen der anderen Künstler,
Sagen sie
Die Bilder, die Skulpturen, die Gedichte
Und dazu noch nützlich...

Doch wenn es wahr ist,
Warum,
Warum zum Henker,
Schläft der dürre Schüler mit zu dicker Hornbrille schon wieder ein
Während die schönen, jungen Menschen in den Galerien sind
Und sich des Lebens erfreuen?

Ich, als Mathematiker, sage euch warum:
Es ist, als würde man ein Gedicht lesen,
Ohne die Sprache zu beherrschen
Erst nach Jahren des Studiums,
Kommt die Schönheit zum Vorschein
Und so versteht niemand
Wie er und sie von Schönheit redet
Weil nicht einmal bekannt ist,
Dass Mathematik eine eigene, sehr komplexe Sprache ist

Sonntag, 29. Mai 2011

Wahnsinniges Glück

Wahnsinn
Was hier passiert
Der Zahlenteufel hat sich eingeschlichen
Zahlen sind mehr wert als je zuvor
Obwohl der Westen irrationaler mit ihnen umgeht als je zuvor
Wahnsinn
Was hier passiert
Die Arbeitskollegen unterhalten sich
Die Panik in den kleinen, grauen Augen
Obwohl es ihnen besser gehen müsste als der restlichen Welt
Wahnsinn
Sie steigen jeden Tag ins Auto ohne Nachzudenken
Fahren emotionslos an Unfällen vorbei
Und wenn die kleinste neue Unbekannte in ihrem Leben auftaucht
Die sich als Gefahr herausstellen könnte
Ist das Geschrei laut und allgegenwärtig
Es muss etwas getan werden!
Wahnsinn
Das BIP ist hoch, das Einkommen ist weit überdurchschnittlich
Die Arbeitslosenquote ist niedrig, das Essen ist günstig
Wohnen ist billig, Urlaub gibt's viel
Die Sonne scheint schon seit drei Monaten
Die Steuereinnahmen sind 100 Milliarden über dem Plan
Wir haben 10-Jahres-Pläne, 3-Jahres-Verträge, 6-Monats-Statustreffen
Wir haben Baufinanzierungspläne, Riester-Renten, Aktienfonds
Alles ist perfekt durchdacht

Das Problem ist die Zielfunktion
Denn was will man denn optimieren?
Welche Zahlen müssen hoch sein, welche klein
Und zu welchem Zweck?
Das scheint niemandem so recht klar zu sein
Meiner Meinung nach liegt hier das Problem
Sie sind ganz durcheinander durch all die Einsen, Zweien, Siebenen und Dreien
In der Schule haben sie die Mathematik nie gemocht
Und plötzlich ist sie überall!
Es muss falsch sein...
Denn sonst würden sie nicht die Wochenenden in Arbeitszimmern verbringen
Um Steuererklärungen auszufüllen
Um den Handybetreiber zu wechseln
Um den Stromanbieter zu wechseln
Um eine Zusatzversicherung abzuschließen
Um den neuen Dienstwagen auszuwählen
Um noch mehr Geld, Sicherheit und Komfort zu haben
Obwohl es alles schon da ist
Sie erzeugen freiwillig den Mangel an Lust
Weniger straffe Haut, weniger Teint
Weniger
Weniger Glück

Glück, meine Freunde, ist der zu optimierende Zustand
Einzig das Problem ist
Dass man es nicht in Zahlen fassen kann
Dass Politiker keine Tabellen präsentieren können
Die da sagen,
Seht her, wir haben nun mehr Glück
Oder
Am Ende unseres 10-Jahres-Plans steht der Ausstieg aus dem Unglück
Und der Mensch, hier im Westen
Er braucht die verhassten Zahlen
Sonst bewegt er sich gar nicht erst

Montag, 25. April 2011

Gleichheit

Die Welt wird gleich gemacht,
Obwohl nichts gleich ist
Obwohl die Schönheit in der Differenz liegt
Das Lebenswerte
Wie sozialistische Verwirrungen legt es sich über das Land
Über die Welt
Die Rufe nach Gerechtigkeit
Sind fast nie gerecht
Und Gleichmacherei
Ist nicht Gleichberechtigung
Die Toleranz weht auf den Fahnen
Während jeder, der abweicht,
Von den Weichen der Gesellschaft herabfällt
Selbstgerechtigkeit und Selbstherrlichkeit
Die Diskrepanz der Worte
Zwischen dem Redner und dem Verlangten
Die Idee des Kommunismus scheint zunehmend beliebt
Auch wenn es niemand wieder so benennen würde
Wie immer dreht sich alles im Kreis
Und die nachfolgenden Generationen wissen nicht um die Fehler
Die alle schon gemacht worden sind
Sie merken nicht wie gut sie es haben

Freitag, 28. Januar 2011

Der Wanderer

Die Revolution in Kairo nimmt also ihren Lauf. Man darf gespannt sein wie es die nächsten Tage weitergeht... Ich wünsche Fatma und ihren Freunden viel Glück, damit der Spuk schnell vorbei ist, und vor allem, damit das, was folgt, nicht noch schlimmer wird.



Ich arbeite an einem Gedichtsband. Dabei habe ich ein Stück gefunden, das ich schon etwas länger her geschrieben habe. 
Viel Spaß damit,
Matthias Kostka



Der Wanderer



Er kletterte auf den Mont Everest,
Meditierte auf seinem Gipfel
Und ernährte sich von Gletscherwasser

Er wanderte durch das Feuerland,
Hoch, die Seenplatte entlang,
Durch den Amazonas

Er kämpfte mit Tieren,
Mit Tropenregen
Und Tropenkrankheiten

Er schwamm durch den längsten Fluss
Überlebte Parasiten, Blutsauger und Krokodilangriffe
Und einen Vulkanausbruch der sein Dorf in Schutt und Asche zerlegte

Er halluzinierte bei 40 Grad,
Sprach mit sich selbst
Und den Gefährten, den Geistern die er sah

Er wurde wieder klar und lernte,
Über fremde Kulturen
Und den Kern des menschlichen Wesens

Er wanderte die chinesische Mauer entlang,
Traf Buddhas und sprach mit Ghandi,
Lernte Kanji, Hiragana und Katanaka,
Bis er sie irgendwann verinnerlicht hatte
Und die Symbole wie Gemälde malte

Beruhigter Seele zog er weiter

Die Sahara hätte ihn fast verdursten lassen,
Doch er hatte Glück,
Denn eine der vielen Karawanen, die er sah,
War keine Fata Morgana

Sie brachte ihn nach Kairo,
Wo ihm eine Großfamilie aus Giza wieder zu Kräften verhalf
Er blickte auf größten Pyramiden der Welt
Und genoss die größtmögliche Gastfreundschaft

Das Glück was er gehabt hatte war enorm,
Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Rettung unendlich klein
Es war ihm hold,
Wie damals mit den Schlangen in Peru,
Dem ertrunkenen Gefährten in Agua Azul,
Oder bei der Entführung in Kuba

Mit jedem Jahr merkte er mehr wie wichtig der Kopf war
Nicht wie der Körper, der Vergängliche,
Das Wesentliche des Seins

Er schloss sich für drei Jahre ein
Machte Joga, um den Kopf bei Kräften zu halten
Und erlernte in dieser Zeit 7 weitere Sprachen
So dass es in der Summe 19 waren

Am Ende wusste er alles,
Denn er hatte alles gesehen,
Alles gerochen,
Alles verstanden,
Alles gesprochen
Doch eines blieb ihm bis zum Schluss verborgen,
Denn egal wo er war sah er glückliche Gesichter

Dienstag, 11. Januar 2011

Google world views

Google is evil
Google is gay
Google is god

USA is a monster
USA is a republic
USA is bankrupt
USA is better than Canada
USA is doomed
USA is the best country in the world

Germany is divided
Germany is stuck in a lose-lose situation
Germany is awesome
Germany is like wisconsin
Germany is destroying itself
Germany is a country

China is evil
China is serious about intellectual property
China is communist
China is on the move
China is not communist
China is capitalist

Europe is edging towards the unthinkable
Europe is a country
Europe is better than america
Europe is a continent
Europe is not a continent
Europe is burning
Europe is dying

God is love
God is dead

Dienstag, 28. Dezember 2010

Weihnachtszeit eines Künstlers

Der Zug kriecht
Die Zeit rennt
Die Luft riecht
Der Klavierspieler pennt

Der Zug steht
Der Schnee liegt
Der Wind weht
Der Winter siegt


Nach fünfzehn Stunden auf diesem Weg
Ist er in einem Kurort im Osten Europas angekommen
Bezieht das Zimmer in einem Hotel
Und eilt an das Piano der Bar


Der Klavierspieler spielt
Die Menge fehlt
Die Leere zielt
Die Lust vergeht

Der Klavierspieler geht
Das Zimmer beengt, schweigt, vermisst
Die Leere steht
Der Mann bedenkt, verneigt, verblasst


Nach fünfzehn Jahren auf diesem Weg
Ist er am Ende angekommen
Bezieht die Leere seiner Einsamkeit
Und eilt an die Bar der Bar

Wo kein Bruder auf ihn wartet
Keine Mutter, kein Sohn, kein Heim
Bloß weiße Russen, die blutige Maria
Und die Leere seines Lebens

Freitag, 19. November 2010

Die Besten

Die Welt der Arschkriecher,
Der Schleimer und Besserwisser
Die Welt der künstlichen Brüste,
Der gemalten Gesichter
Die Welt des Scheins
In der niemand leidet
Die Welt des Scheins
In der so viele leiden
Die Welt der Prostitution,
Der Drogen und der Gewalt
Die Welt des Konsums
Mit all den Folgen
Für die Menschen selbst
Für die Umwelt erst recht
Die bekackte kapitalistische Welt
Die mehr schlaue, beneidenswerte,
Kreative, schöne, faszinierende,
Einzigartige, bunte und schräge Menschen hervorbringt
Als jede bisher da gewesene
Aber noch mehr hirnverbrannte Idioten,
Die zwischen Realität und Werbung nicht unterscheiden
Und so die Welt
Durch ihren Smog,
Ihre Aggressivität und Gier
Durch den viel zu hohen Output
Zerstören

Dienstag, 9. November 2010

Das Verwelken

Sie blüht so schön
Dieser Geruch
Man muss stehenbleiben um zu schnuppern

Sie blüht so schön
Doch eins ist klar
So perfekt sie auch sein mag
Wird sie nicht ewig sein

Ohne Wasser

Man muss mit ihr reden
Denn sonst hilft auch Flüssigkeit nicht
Und sie verblüht, verwelkt, vergeht
Von einem Tag auf den anderen
Es ist nichts zu retten

Alle, die vorher staunend stehen blieben
Rufen jetzt nach der Entsorgung
Oder gehen achtlos vorbei

Die Menschheit ist recht grausam
Gegenüber einer Person, die mit ihrer Vergänglichkeit kämpft

Montag, 1. November 2010

Ein Gedicht zum Wochenanfang

Gerne jemand anders

Ich habe gläserne Scheiben vor mir
Sehe Menschen auf der anderen Seite
Wie sie fleißig tippen und nie hoch schauen
Wie sie die Rendite anheben
Ohne Rücksicht auf sich selbst

Sie sind an einem Ort, an dem man keine Zeit für Gedanken hat
Das quält sie ab und an,
Denn sie sind nie sie selbst
Oder es quält sie gar nicht
Weil sie Nichts sind

Ich bin an einem Ort an dem ich denken muss
Und es quält mich von Zeit zu Zeit
Denn manchmal wäre ich gerne jemand anders
Vielleicht einer dieser gefühllosen Zombies

Dienstag, 26. Oktober 2010

Das Licht der Freiheit

Plötzlich war ich drin in der Maschine
Ohne zu wissen wie ich hineingekommen war
Ohne zu wissen wie man rauskommen könnte

Plötzlich war ich da drin
Wandelte mich
Wurde langsam,
Aber gewiss stetig und schnell genug um es zu merken
Zu einem Zahnrad
Von dem verlangt wurde sich schneller zu drehen
Als es die Materialkonstanten aushalten konnten
Risse waren vorherzusehen

Während ich mich drehte
Drehte
Und drehte
Versuchte ich eine Lücke zu finden durch die ich rausschauen könnte
Doch alles war schwarz
Es schien noch dunkler werden zu wollen

Die großen Räder machten knatternde Geräusche
Die sich anhörten wie hämisches Gelächter
Sie hatten die Macht
Trotz ihrer langsamen Drehungen
Die kleinen Räder beim höchsten Tempo zu halten

Mir wurde mit der Zeit schwindelig

Dann merkte ich etwas
Ich war nicht festgemacht
Keine Mutter die mich hielt
Frei an der Stange
Ich bewegte mich ein Stück an ihren Rand
Die Maschine rotierte weiter
Und grub ihre Zähne in mein Fleisch
Als ob sie nichts merken würde
Nur noch mit der Hälfte gab ich die Kräfte weiter
Auch wenn ich wusste, dass ich Wunden davontragen könnte
Wurde es verlockend
Was passiert wenn ich abspringe?
Ich rutschte ein wenig
Die Maschine fauchte
Ich rutschte noch ein wenig
Bis ich mit einem Ruck aus dem Getriebe rausflutschte
Es katapultierte mich von der Stange
Und ich flog taumelnd hinab in das endlose Dunkel
Ohne zu wissen wie dieser Flug enden sollte

Ich hörte wie die Maschine hinter mir schnaubte
Und wusste, dass sie auch ohne mich genauso weitermachen würde
Weil die Konstruktion in der ich eingespannt war
Über keinen Sinn verfügte

Ein Glücksmoment
Der schnell zu Ende war
Weil ich nicht wusste wie es weiterging
Und weil ich  nicht sicher war
Ob das gelb rote Leuchten am Boden auf den ich zuflog
Glühende Lava im Recyclingkreislauf war
Oder das Licht der Freiheit